Bewegungslernen / Bewegungsintelligenz

Training an Fitness- und Kraftgeräten erfreut sich großer Beliebtheit. Umstritten sind sie fast ebenso: Oliver Hartelt vom Institut für Spiraldynamik in Zürich erklärt, worauf es ankommt.

Trainingsgeräte sind zur Unterstützung sportlicher Ziele nicht wegzudenken. Auch im therapeutischen Sektor, bei Bewegungseinschränkungen oder nach Verletzungen erfreuen sie sich immer größerer Beliebtheit. Dahinter stehen Chancen und Risiken. Das Gerätetraining bietet einerseits hohe Differenzierungsmöglichkeiten. Muskeln können  einzeln oder in Kombination gezielt bearbeitet werden. Mit individueller Gewichtsanpassung kann im ausgewählten Belastungsbereich trainiert werden – ohne Überlastungsgefahr. Hohe Belastung mit geringer Wiederholungszahl verbessert die Kraft, mittlere Belastung mit hoher Wiederholungszahl die Kraftausdauer. 

Die Qualität einer Bewegung zu verbessern ist eine ganz andere Sache. Hier werden lediglich Führungswiderstände benutzt. Sie machen Bewegung präzise fühl- und steuerbar. Das dynamische Ansteuern steht im Zentrum, weniger der Kraftzuwachs. Die Wiederholungszahlen variieren je nach Zielsetzung. So führt  Bewegungslernen automatisch zu mehr Bewegungsqualität. Das A und O für Spiraldynamiker! Soweit die Sonnseite.

Auf der Schattenseite stehen mangelnde Funktionalität der Bewegungsabläufe und der Geräte. Wer nicht stur und ziellos Gewichte heben, stoßen und schieben, sondern Bewegungen aus Alltag und Sport intelligent fördern will, steht rasch an: Die meisten Krafttrainingsgeräte in Fitnesszentren funktionieren zweidimensional, auf und ab, hin oder her, gemacht für stereotype Klappbewegungen. Dazu kommen oft falsch positionierte Drehachsen: Die Kraft wird ungünstig auf das Gelenk verteilt, schon fast logisch, wenn die dritte Dimension fehlt. Muskuläre Dysbalancen und durch einseitige Beanspruchung antrainierte Gelenkbeschwerden sind die häufige Folge.

Die Lösung liegt im anatomisch sinnvollen Gebrauch – ist von Natur aus bereits eingebaut: Muskeln arbeiten ökonomischer und gelenkschonender, wenn die Bewegungen dreidimensional ablaufen und die Zugrichtung stimmt. Seilzüge eignen sich nahezu perfekt dazu, beide Bedingungen zu erfüllen Durch die drehbar gelagerten Umlenkrollen gibt’s keine fixierten Achsen, Dreidimensionalität und präzise Steuerung werden möglich. Auch Freihanteln lassen natürliche, dreidimensionale Bewegungen zu.

Reflextraining ist eine weitere Dimension für intelligentes Training. Beim Trainingsgerät ist die Instabilität gleich mit eingebaut, der Körper muss blitzschnell ausgleichen. Kippbretter, Kreisel und andere wacklige Gerätschaft fordern und fördern das ständige Zusammenspiel zwischen Nerven- und Muskelsystem. Auf dem Wackelbrett bedeutet das: Die Beinachse muss „online“ justiert werden, schneller als der Kopf denken kann. Bewusstes Arbeiten (Großhirn) und unbewusste Reflexe (Rückenmark) müssen harmonieren, damit das Training seine volle Wirkung im Alltag und im Sport entfalten kann. 

Fazit: Bewegungsintelligenz ist keine Selbstverständlichkeit, sondern will geübt und kontrolliert sein : Lassen Sie sich von geschulten Bewegungsfachleuten anleiten. Regelmäßige Trainingskontrolle bietet Qualitätssicherung. Personal Training ist ein Schlüssel, um die Möglichkeiten Ihres Bewegungssystems optimal auszuschöpfen.

Oliver Hartelt

[schliessen]